Welt 04.09.2026
13:31 Uhr

Oktoberfest-Schausteller beklagen „Zensurmaßnahmen“ – und drohen mit Boykott-Aktion


Kurz vor dem Oktoberfest eskaliert der Streit um umgestaltete Frauenfiguren auf Fahrgeschäften. Aus Protest gegen aus ihrer Sicht überzogene Vorgaben der Stadt wollen zahlreiche Schausteller einen traditionellen Wiesn-Termin boykottieren.

Oktoberfest-Schausteller beklagen „Zensurmaßnahmen“ – und drohen mit Boykott-Aktion

Der Streit um die Umgestaltung von Figuren an Fahrgeschäften auf dem Münchner Oktoberfest spitzt sich zu. Aus Protest gegen Aufforderungen, Frauenfiguren wegen rassistischer und sexistischer Stereotype anders zu gestalten, will ein Teil der Schausteller den traditionellen Wiesn-Rundgang boykottieren. „Angesichts des Übergriffs wegen angeblich rassistischer Stereotype auf der Fassade des Traditionsfahrgeschäfts Teufelsrad sagen wir hiermit unsere Teilnahme ab“, heißt es in einem Brief des Bundesverbandes Schausteller und Marktkaufleute an das Münchner Wirtschaftsreferat. Darin ist auch von „Zensurmaßnahmen“ und „Zwangspinselei“ die Rede. Das Schreiben, über das zuvor die Zeitungsgruppe „Münchner Merkur/tz“ berichtet hatte, liegt der Nachrichtenagentur dpa. „Die Schausteller wehren sich gegen Zensur“, heißt es in dem Brief weiter. „Die Gestaltung der Betriebsstätte ist Kernkompetenz des Unternehmers als Träger des wirtschaftlichen Risikos.“ Nach Angaben von Präsident Patrick Arens sind 60 bis 70 Betriebe auf der Wiesn in seinem Verband organisiert. Das macht nur einen Teil der Betriebe aus. Neuer OB Krause erstmals auf dem Rundgang dabei Der Rundgang, auf den sich das Schreiben bezieht, ist ein traditioneller Termin kurz vor dem Start des Münchner Oktoberfestes. Dabei präsentieren der Oberbürgermeister – in diesem Jahr erstmals Dominik Krause (Grüne) – und der Wiesn-Chef die Neuheiten auf dem Volksfest. Das Traditionsgeschäft „Teufelsrad“ hatte – nach entsprechenden Hinweisen der städtischen Gleichstellungsstelle – Frauenfiguren über dem Eingang neu gestaltet und züchtiger angezogen. Eine Figur, die vorher nur mit Bikini und Blütenkranz bekleidet war, trägt nun Kleid und Schuhe. Inzwischen stellt allerdings die Stadt selbst die Sinnhaftigkeit dieser Aufforderung infrage. Nicht nur Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) kündigte Gespräche mit der Gleichstellungsstelle über mehr „Augenmaß“ an, auch die zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) sagte: „Man kann es eben auch übertreiben.“ Laut Medienberichten ist das „Teufelsrad“ nicht das einzige Fahrgeschäft, das zur Umgestaltung aufgefordert wurde.